Montag, 31. August 2015

Da war wohl jemand besoffen, ...

... als er diesen Radweg geplant hat... ;-)

Der einzige Passagier

Über die Pegnitz gab es heute eine kleine Fähre, bei der ich der einzige Passagier war.

Als ich ankam, sass der Fährmann - ein verschrobener älterer unrasierter Typ mit dicker Brille - mit seiner Zigarette vor seinem Fährhäuschen und schaute in die Weltgeschichte. Kein anderer Mensch weit und breit.

Ich also zu ihm hin und gefragt, ob denn die Fähre heute morgen fährt. Er daraufhin: 'Ja. Ich komm.'

Er also aufgestanden und ich mein Fahrrad auf die Fähre geschoben. Dann hat er seine Fähre losgemacht und los gings. Ohne Motor: die Fähre hängt nur an einem Seil und wird quasi durch die Strömung auf die andere Seite getrieben.

Die Pegnitz ist nicht breit - die Überfahrt dauerte nur ein paar Minuten. Ein Euro sollte es kosten - ich hab ihm schließlich zwei gegeben.

Ein Wunder, dass es so was noch gibt...!

An der Pegnitz

Tag 15: Bamberg - Nürnberg, 71 km

Bezeichnendes Bild heute war der Main-Donau-Kanal, an dem ich die meiste Zeit entlang gefahren bin. Außerdem die Pegnitz, die ja auch durch Bamberg fließt.

Aus Bamberg heraus habe ich sicherlich eine Dreiviertelstunde gebraucht. Nicht, weil es besonders schwierig oder verkehrsreich gewesen wäre, sondern wegen der vielen nötigen Fotostopps ;-)

Ansonsten war es heute wahnsinnig heiß: 35 Grad, und überall heißt es: 'der wahrscheinlich letzte heiße Sommertag'. Mal sehen, wie es weitergeht.

Auf jeden Fall stieg der Flüssigkeitsverbrauch heute auf Rekordniveau.

Flüchtlinge: das Hauptthema im Radio und im Fernsehen

Bamberg

Bamberg

Die Obere und Untere Brücke in Bamberg sind sicherlich einer der schönsten Orte auf dieser Tour und in Deutschland überhaupt, um einen heißen Sommertag in phantastischer Atmosphäre ausklingen zu lassen. Einfach wunderbar!

Die jungen Leute sitzen oder stehen mit ihrem Getränk vor den Kneipen und es ist fast eine Atmosphäre wie in Madrid.

Bamberg gefällt mir immer wieder gut: es gibt eine gesunde Mischung aus touristischen Attraktionen und normalem Stadtleben, und es gibt durch die vielen Studenten eine gute Mischung aus jung und alt.

Bamberg ist sicherlich ein Highlight dieser Tour!

Sonntag, 30. August 2015

Das Zeichen des Sommers

Tag 14: Coburg - Bamberg, 54 km

Es ist knalle-heiß. 34 Grad. Aber schön: Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein.

Heute am Sonntag waren viele Leute mit dem Fahrrad oder auch zu Fuß unterwegs. Die Ausflugslokale waren voll.

Ansonsten war die Strecke im Vergleich zu gestern vergleichsweise einfach: 50 km im der Ebene. Keine besonderen Steigungen.

Besuch in Coburg

Heute hatte ich lieben Besuch :-)

Coburg

In Coburg war Coburger Klöß-Markt: auf dem Marktplatz gab es alle möglichen Speisen aus Klößen - genau das Richtige für mich. Es gab zum Beispiel Klöße mit Schweinebraten, mit Sauerbraten, Rinderbraten, Gänsebrust oder Tafelspitz; Klöße mit Pfifferlingen, Kloß mit Soß, Kloßbratwurst und noch einiges andere mehr.

Danaben gab es Kulmbacher und Coburger Bier, und Livemusik - und das alles in der Kulisse des Coburger Marktplatzes. Herrlich!

Samstag, 29. August 2015

Jawoll!

All zu nah im Frauenwald

Willkommen in Westdeutschland!

Hier wollte ich eigentlich das Schild des Freistaats Bayern fotografieren, aber außer diesem Schild gab es nur ein Schild des Landkreises Coburg.

Kann es sein, dass die 'Freistaat Bayern'-Schilder an der Grenze zu Franken bewusst NICHT aufgestellt werden? ;-)

Tag 13: Ilmenau - Coburg, 60 km

Heute musste ich den Thüringer Wald überwinden, um nach Bayern zu kommen. Gleich nach Ilmenau ging es kräftig bergauf bis auf über 800 m. Dann ging es eine ganze Zeit auf dem Kamm und eine kurze Zeit auch auf dem Rennsteig entlang, bis es schließlich mit Karacho ins Tal nach Coburg ging.

Landschaftlich total schön und in den Morgenstunden mit 16 Grad noch vergleichsweise kühl. Alle Pflanzen waren noch mit großen Tautropfen bedeckt, die in der Morgensonnne glitzerten. Herrlich.

Im letzten größeren Ort vor der Grenze habe ich nochmal halt gemacht und ein Café gesucht - leider vergebens. Also bin ich zum netto-Markt in die Bäckerei. Positiv überrascht war ich, als die Frau hinter dem Tresen schon fränkisch sprach, obwohl wir noch in Thüringen waren.

Darauf angesprochen sagte sie, dass sie mit diesem Ort schon immer in Richtung Franken orientiert waren. Nur tragisch, dass die Landesgrenze - und damit die Staatsgrenze der DDR - erst ein paar Kilometer hinter dem Ort verlief und sie damit das ganze Drama eines Ortes im grenznahen Bereich der DDR mitmachen mussten...

Freitag, 28. August 2015

Bild für Alex

Das ist ein Bild für Alex. Mal sehen, ob er den Blog noch liest. Wenn ja, dann bitte einen Kommentar!

Goethe in Ilmenau

Der gute Goethe war auch in Ilmenau und hat hier eine zeitlang gelebt.

Ilmenau

Letzter Abend in Thüringen und damit auch in der Ex-DDR. Morgen geht es über den Thüringer Wald nach Bayern bzw. Franken. Zum Abschluss gab es heute Mittag nochmal eine original Thüringer Bratwurst und heute Abend eine Soljanka (ich liebe sie!) und danach dann einen Schweinebraten - natürlich mit Thüringer Klößen.

Das ist das Schöne an dieser Tour, dass sich mit jedem Kilometer, den ich weiterfahre, die regionale Küche und die Eigenarten der Region verändern. Der Dialekt natürlich auch. So lernt man Deutschland von einer ganz anderen Seite kennen und man erfährt die Zusammenhänge zwischen Region, Essen und Sprache.

Ich war lange nicht in der Ex-DDR - hier vielleicht ein kleines Resümee. Was ist mir aufgefallen:
- die Straßen sind fast alle sehr gut. Lediglich in den Orten und da in den Seitenstraßen gibt es noch Straßen mit Kopfsteinpflaster.
- es gibt unheimlich viele Radwege und alle sind top.
- die Innenstädte sind meist herausgeputzt und die Häuser top renoviert. Lediglich in den Außenbezirken findet man noch DDR-Charme in Form von Plattenbauten oder leerstehenden Industrieanlagen.
- Gefärbte Haare in allen Farben, Piercings und Tatoos sind sehr beliebt.
- Billigläden wie kik findet man überall. Stil in Sachen Kleidung scheint nicht unbedingt eine Stärke zu sein.
- Essenstechnisch sind Fast-Food-Läden aller Art sehr verbreitet. Leider. Das äußert sich dann darin, dass man sehr viele dicke Menschen sieht.
- Wenn man den Äußerungen der Leute auf der Straße lauscht, kommt oft eine sehr passive Haltung zum Ausdruck: 'was die da oben mit uns machen' oder 'jetzt hammse wieder das und das gemacht' - Eigeninitiative scheint noch nicht so verbreitet zu sein.
- die ganzen Sehenswürdigkeiten - egal ob in der Natur oder kulturell - scheinen eher von Westdeutschen besucht zu werden.
- das Wort 'Arbeit' hat keinen Artikel: 'ich bin auf Arbeit'.
- es gibt nur ostdeutsche Ampelmännchen.

Was mir noch aufgefallen ist: Ich habe ja schon viele Radtouren gemacht, aber es war selten, dass die einheimische Bevölkerung so teilnahmslos bzw. distanziert mir gegenüber war. In anderen Ländern gibt es immer mal ein 'wo fahren Sie hin' oder ein 'Gute Fahrt' - hier so gut wie gar nicht, und auch in den Geschäften ist der Umgangston eher rauh, genervt ider fast unfreundlich. Schade eigentlich.

Barockschloss

Schlauchomat

Thüringer Kloß-Hotel

Tag 12: Erfurt - Ilmenau, 48 km

Heute habe ich das erste Mal Regen abbekommen. Es gab immer mal Nieselregen. Nicht stark und es hat auch immer wieder aufgehört, so dass ich dennoch ganz gut fahren konnte. Im Gegensatz zu gestern gab es keinen Wind und die Strecke war sehr gut.

Heute ging es die ganze Zeit an der Gera entlang. Mit Gera ist hier der Fluss Gera gemeint. Er hat mich von Erfurt bis fast zu seiner Quelle begleitet.

Es ging Richtung Thüringer Wald. Ilmenau ist nun die letzte Station in Thüringen.

Donnerstag, 27. August 2015

Erfurt

Schöne Stadt. Groß. Lebendig. Viele Restaurants. Nicht zu viele Touristen.

Ich war voher nur einmal in Erfurt. Das war 1990. Direkt nach der Wende.

Meine Erinnerung daran ist wie folgt: Die alten Fachwerkhäuser am Domplatz waren total verfallen. In den meisten hat keiner mehr gewohnt. Bei manchen waren die Fenster zugemauert oder die Scheiben eingeworfen.

In den Nebenstraßen sah es noch schlimmer aus. Ich hab damals ein Bild gemacht, auf dem man nur Bruchbuden sieht - ABER: es war schon die erste Satellitenschüssel zu sehen.

Das waren die Anfänge von RTL II-Land.

Genau!

Gruß aus Eberstedt

Tag 11: Bad Sulza - Weimar - Erfurt, 60 km

Heute war es eher ätzend.

Es ging weiter an der Ilm entlang, aber im Gegensatz zu gestern ging es ständig auf und ab: mal fuhr ich unten im Tal direkt am Fluß, dann wieder oben auf der Höhe, weit weg von der Ilm. Und so ging das im ständigen Wechsel...

Hinzu kam ein recht starker direkter Gegenwind und manchmal schlechte Wegstrecke. So wurde die eigentlich nicht sonderlich schwierige Etappe doch zu einer Herausforderung.

Highlight zwischendrin war Weimar, wo ich Mittagspause gemacht habe.

Mittwoch, 26. August 2015

Bad Sulza

Gruß aus Bad Sulza aus der Toskana Thüringens (nennt man tatsächlich so).

Bad Sulza ist ein kleiner, hübscher Kurort mit 5.000 Einwohnern, einer Klinik, der Toskana-Therme(!), einem Kurpark und ein paar Hotels. Ansonsten ist hier nicht viel los. Nach dem Sightseeing von gestern ist das aber absolut okay.

Ich bin nun in Thüringen - am Dialekt merkt man das allerdings noch nicht, wohl aber am Essen: hier gibt es nun Thüringer Klöße :-)

Gott sei Dank!

Gruß aus der DDR!

Naumburger Dom

10. Tag: Leipzig - Bad Sulza, 74 km

Wow! - Wieder ein wunderschöner Tag! Die Sonne strahlt, kein Wölkchen am Himmel und ich habe wieder eine sehr schöne Strecke!

Heute morgen ging es zunächst zwischen riesigen Fernwärmerohren auf der einen Seite und Goldrutenfeldern auf der anderen Seite aus Leipzig raus.

Dann ging es eine ganze Zeit lang auf einem ehemaligen Bahndamm entlang: sehr gut ausgebaut und immer mit guter Aussicht, weil erhöht.

Beim zweiten Teil der Strecke ging es dann durch das Tal der Saale und der Ilm durch das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, durch den Burgenlandkreis, und schließlich durch die thüringische Toskana (!).

Was es alles gibt ;-)

Dienstag, 25. August 2015

Wie wahr....

Leipsch

Heute hatte ich einen Tag frei und hab mir Leipzig angeschaut.

Ich habe ein Hotel direkt am Bachmuseum und schaue auf die Thomaskirche (wo der Thomanerchor heimisch ist) und das Bachdenkmal.

Aus der Stadt werde ich noch nicht so recht schlau: Wenn man so durch die Straßen läuft, hat man den Eindruck, es handle sich um eine sehr gebildete Stadt. Es ist die Stadt der Komponisten, die Leute besuchen klassische Konzerte und die Buchhandlungen haben Auslagen zu Musik und Geschichte.

Die typischen tätowierten und gepiercten Plattenbaubewohner sieht man hingegen kaum.

Der Eindruck ändert sich aber sofort, wenn einer den Mund aufmacht und dieser unsägliche sächsische Dialekt herauskommt. Dann ist bei mir leider sofort die Assoziation da mit 'Ausländer raus'-Geschrei und 'Deutschland den Deutschen'-Rufen.

Am Mittag saß ich auf einer Bank in der Innenstadt. Ich hörte einem Bläser-Quartett zu, die Werke von Bach spielten. Neben mir saßen drei Damen, die sich zunächst darüber unterhielten, woher wohl der Trompeter sei. 'Wahrscheinlich Mongole oder so was'. - Und dann ging es los: 'es kommen immer mehr', 'bald sieht es überall so aus', 'die kriegen alles nachgeschmissen' und so weiter, und so fort. Natürlich im sächsischen Dialekt.

Es ist kaum vorstellbar, dass Bach wahrscheinlich auch sächsisch gesprochen hat. Die Sprache passt einfach besser zu Neonazis, als zu Kunst und Musik...

Montag, 24. August 2015

Tag 8: Wittenberg - Leipzig, 100 km

Heute bin ich zwei Tagesetappen an einem Tag gefahren.

Eigentlich wollte ich in Bitterfeld übernachten, und dann erst am nächsten Tag weiter nach Leipzig. Doch bei der Hotelsuche gestern im Internet gab es nur zwei Hotels in Bitterfeld - und beide hatten katastrophal schlechte Bewertungen.

Außerdem wollte ich laut der ursprünglichen Planung sowieso einen Tag in Leipzig frei haben. Also bin ich heute die zwei Etappen an einem Tag gefahren. Dabei kamen knapp 100 km zusammen. Geplant waren eigentlich nur 85, aber auf den Radwegen, die oft nicht der geraden Strecke folgen, kommen dann doch mehr km zusammen.

War ganz schön anstrengend, zumal ich lange Zeit Gegenwind hatte... Aber schön war's auch!